Apokalypse now?
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Apokalypse now?

 

Das Ende des zweiten Weltkrieges lag zehn Jahre zurück.

Es war ein Spaziergang unter blauem Himmel. Die Sonne beschien einen Kranz aus zwölf leuchtenden Sternen, die das Haupt einer Marienfigur am Wegesrand umgaben.

Das inspirierte den Kulturbeauftragten des Europarates, den Belgier Paul Levy, zu einer Idee für eine Europaflagge.

Sind nicht die zwölf Stämme Jakobs und die zwölf Apostel von Jesus, als auch die zwölf Sternkreiszeichen am Himmel ein perfektes Motiv für eine Europafahne?

Paul M.G. Levy war jüdischer Abstammung und hatte im zweiten Weltkrieg, angesichts der Judenverfolgung ein Gelübde geleistet: Wenn er den Krieg und die Nazis lebend überstehen würde, wolle er zum katholischen Glauben übertreten. Er überlebte, wurde katholisch und bekam dadurch auch zu Maria, der Mutter Jesu, ein intensiveres Verhältnis.

Seit der Gründung des Europarates1949 suchte er ein Symbol für die Staatengemeinschaft, das nicht nur Anschauung ist, sondern auch die Werte der jungen europäischen Gemeinschaft repräsentiert.

Der damalige Generalsekretär, der venezianische Christdemokrat Lodovico Benvenuti war begeistert von seiner Idee, und das Symbol der zwölf goldenen Sterne, vor dem blauen Himmel, wurde letztlich von allen angenommen.

Sicherlich kam die christliche Bedeutung auf einem Schleichweg in die Europafahne oder war es der rettende Fluchtweg in der Verfolgung?

Haben Paul Levi und Lodovico Benevenuti gewusst um die prophetische Vision des Johannes von Patmos, des Sehers der Offenbarung, der um 95 n. Chr., in der Verbannung auf dieser griechischen Insel lebte?

In der Apokalypse des Johannes, im letzten Buch der Bibel heißt es in Kapitel 12, Vers 1:“Und es erschien am Himmel ein großes Zeichen, eine Frau umkleidet mit der Sonne, der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen.“

Es ist die Offenbarung Johannes des Sehers, der ebenfalls jüdischer Abstammung war, weil er die hebräischen Schriften kannte, der vom Buch mit den sieben Siegeln spricht. „Ich sah eine Buchrolle versiegelt mit sieben Siegeln“ (Apk 5,1). Es ist eine Papyrusrolle mit den bisher verborgenen Ratschlüssen Gottes.

Die geheimen Offenbarungen und Visionen an Johannes den Seher stammen aus einer Zeit, in der sich die äußere Lage der christlichen Gemeinden zusehends verschlechterte. Der römische Kaiser forderte vom Volk göttliche Verehrung. Domitian (81-96 n. Christus) ließ an vielen Orten im römischen Reich Statuen von sich errichten, vor denen die Menschen ihm huldigen sollten. Und er war der erste Kaiser, der sich offiziell als ‚Herr und Gott‘ anreden ließ. Eine solche Anweisung aber konnten die Christen nicht befolgen und damit begann für sie der Weg in Verfolgung und Leid.

Johannes der Seher schreibt die prophetischen Visionen der Zukunft auf, denn die göttlichen Offenbarungen sollen die verfolgten Christen trösten.

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Name der Autorin/des Autors
Martin Geisler
Apokalypse now?

6 Kommentare zu „Apokalypse now?

  • 30. Mai 2022 um 19:58
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    Ein einfühlsamer, geistlicher Bogen durch die Jahrhunderte – und nie aktueller als heute.

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  • 30. Mai 2022 um 21:32
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    Ein sehr treffender Vergleich.
    Gerade in der heutigen Zeit eine Notwendige Darstellung.

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  • 31. Mai 2022 um 8:30
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    Dieser Text gibt der Seele Hoffnung, die gerade in dieser finsteren Zeit so notwendig ist.

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  • 31. Mai 2022 um 18:38
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    Ein hervorragender Essay mit einer eindrucksvollen Story, die die Entstehung eines Symbols
    schildert, das nun den ganzen Kontinent Europa betrifft. Der Autor nimmt eine ganze Genealogie
    der Sterne auf, von den 12 Stämmen Israels bis zu den 12 Jüngern des Jesus von Nazareth.
    Er wählt mit den Sternen überdies ein Symbol, das – als archetypische Figur und kosmisches
    Element – die Grenzen von Personen, Ländern und Nationen übersteigt und zu einem verbindenden Fundament für Viele und viele Verschiedene auf diesem Planeten Erde wird. Und, mehr noch,
    er nimmt „der Apokalypse“ den Schrecken und öffnet in feiner Sprache unseren Blick für die
    Weite, Offenheit und Verheißung von Zukunft – allen „Apokalypsen“ der Gegenwart zum Trotz.

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  • 31. Mai 2022 um 19:29
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    Sehr passend zum Thema. Wer weiß schon, woher die Europaflagge kommt und was dahintersteht. Die 12 Sterne stehen – so gesehen – für die große Hoffnung eines geeinten, friedlichen und gerechten Europas. Die aktuelle Bedeutung des Beitrags liegt auf der Hand. Der Drachen, Symbol der Bosheit, ist mächtig unterwegs. Die jüdisch-christliche Hoffnung hat es schwer, aber sie ist unaufgebbar. Danke für diesen starken Bogen.

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  • 31. Mai 2022 um 20:55
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    Ein hervorragender Essay mit einer eindrucksvollen Story, die die Entstehung eines Symbols schildert, das nun den ganzen Kontinent Europa betrifft. Der Autor nimmt so eine Genealogie der Sterne auf, von den 12 Stämmen Israels bis zu den 12 Jüngern des Jesus von Nazareth. Er wählt mit den Sternen überdies ein Symbol, das – als archetypische Figur und kosmisches Element – die Grenzen von Personen, Ländern und Nationen übersteigt und zu einem verbindenden Fundament für Viele und für viele Verschiedene auf diesem Planeten Erde wird. Und mehr noch, er nimmt „der Apokalypse“ den Schrecken und öffnet in feiner Sprache unseren Blick für die Weite, die Offenheit und Verheißung von Zukunft – allen „Apokalypsen“ der Gegenwart zum Trotz. Richard Riess

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