Wolken, Gedanken zu einer Metapher

Melange

Wären die Wolken Milchschaum, würden die Baristi frohlocken;

sie müssten nur die Löffel nach oben strecken und auf den Wind warten,

der sie füllt.

Momente

Etwas bewegt die Watte am Himmel mit sanfter Pfote. Etwas schiebt sie auf dem glatten Blau am Horizont entlang. Es ist, als wäre der Moment ein anderer.

Und genau so ist es: in einem Moment ist alles anders. Du stehst am Hang und weißt, es ist geschafft:

der Winter ist Vergangenheit.

Wolkenheim

In Wolken einziehen bettet die grauen Punkte im Gehirn auf den Flügeln bunter Schmetterlinge: ein Wagnis, dem Klang der Instrumente zu folgen.

Regenbögen

Wer in den Wolken nichts sieht, habe ein Herz aus Stein, sagen die einen.

Wen kümmert es, sagen die anderen.

Der Blick in das Ungreifbare ist ohnehin ohne Vorteil. Kein Stein könnte dort getragen werden.

Mag sein. Mag sein.

Aber es gibt etwas, was das Licht trägt: der Regenbogen.

Hindernisse? Gibt es nicht!

 Nur die Bäume fauchen und die Felsen, nicht die luftigen Wesen. Der Glaube, es stelle sich ihnen etwas entgegen, irrt.

Luftgebilde prallen auf sie und lassen sie welken, sie selbst aber gehen nicht in die Knie. Und wenn sie sich auflösen, versammeln sie sich woanders.

Schau mal

Der Wolken Biegsamkeit schmeichelt der Phantasie hinter den Augen und Ohren.

Da ein Drache, dort ein Löwe! Oder ein Lampenschirm?

Na so etwas: eine veritable Küchenmaschine!

Bleibendes

Gestalten erscheinen, Gestalten verschwinden, aber wenigstens vergehen sie nicht.

Das Phantastische kann dickstes Grau erklingen lassen und es kann Töne in Farben verwandeln.

Akkordeon und Posaunen werden zum Gelb der Felder. Und ab und an tanzen Wassertropfen umher.

Na so etwas.

Der Pudel wischt sich die süßen Flocken aus dem Gesicht.

Da ist sie wieder: unsere geliebte SMEG. Hefezopf mit Rosinen und dann?

Was dann? Ganz einfach: Klappe auf, Klappe zu – rosa Parfait vom Südpol.

Mannomann

Ich geh nur mal spazieren, im Haus so hin und her. Vom Wohnzimmer in die Küche und von dort ins Bad. Und schon kommt man mir entgegen,

man lässt mich nicht in Ruh.

Der Wikipedia-Kodex in Herrgottsfrühe kann einen schon gar sehr betreffen: Oh Nephele! Wolkengöttin! Zeus‘ Laune, in Athenas Gestalt,

jedoch benutzt.

‚Danke, dass du mich verschont hast‘, spricht Athena.

‚Ich schenke dir dafür einen kräftigen Zentauren, der dich fortan beschützt.‘

Very windy

Der Hut! Wo ist der Hut? Du hast den Hut vergessen! Ich schau nach oben.

Harmlos, die weiße Pracht, die Federwolken und die Schäfchen. Doch wer weiß, wie solches endet.

Gedacht, gesagt und es wird sofort klar: die Hoffnung trügt.

Ganz hochgestreckt naht Altocumulus zusammen mit Nimbostratus und Stratocumulus und daneben Cumbulionibus, der vertikale und prächtigste aus dem antiken Rom und neben ihm geht Altostratos, der kälteste auf dem Gebiet der Kühlschranktechnik.

Alle pludern sich enorm in die Breite, quellen hoch und durchbohren fast den Mantel, der die Erde schützt.

Hoffentlich hält der Stoff dem Ansturm stand, zumal die Materialien – speziell erst jüngst aus dem Labor entwickelt – ihre Tauglichkeit in enormer Höhe erst noch beweisen müssen.

Die Flieger sind ganz neidisch, stöhnen klappernd: Puff, Peng, Brabumm! Bummbumm!

Der Kern jedoch ist Goretex von Feinsten.

Das spricht sich schnell herum, in den Kreisen der Wolkenforscher.

‚Ach wie glücklich wir doch sind‘, sagen sie, ‚dass wir so ziemlich alles wissen.‘

‚Noppenverschweißt, mit Ösen für den Notfall, falls man sich vom Feinsten trennen muss, in turbulenten Zeiten.‘

‚Und all und überall sind Reisverschlüsse.‘

Da ließe sich schon fragen, wozu diese unglaubliche Prophylaxe gut sein soll.

Wozu?

Man muss sich manchmal doch sehr schnell gewisser Dinge entledigen. Oder? Genau.

Wo ist der Fallschirm?

Wolkenspiel

Wolken sollen es sein, die sich in der Höhe tummeln wie kleine Kinder, die rufen:

‚Wir backen einen Kuchen‘ oder ‚Wir spielen Verstecken‘, ‚Wir verkleiden uns‘,

‚Du bist der Pirat‘, ‚Ich die Prinzessin‘.

Dabei wollen alle der raffinierten Freiheit wegen Piraten und der Schönheit wegen Prinzessinnen sein. ‚Spieglein, Spieglein am Firmament, wer ist …‘ Ich vielleicht oder nur der neben mir?

Oder der noch ganz Unbekannte unter uns?

Wolken können alles!

Vor allem können sie ohne Grenzen grenzenlos umherreisen.

‚Was sind schon Mauern, Schranken und Verbote?‘, sagen sie. Wären wir wie sie, müssten wir nichts befürchten.

Name der Autorin/des Autors
Christian Callo
Wolken, Gedanken zu einer Metapher

15 Kommentare zu „Wolken, Gedanken zu einer Metapher

  • 13. April 2021 um 22:41
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    Ich habe Lust bekommen, wieder einmal in aller Seelenruhe Wolken zu beobachten…

    Christian Callo findet ungewöhnliche, überraschende Bilder und Gedanken, ausgehend von „seinen“ Wolken, Wahrnehmungen und Wort- sehr anregend und berührend!

    Antworten
  • 14. April 2021 um 5:06
    Permalink

    Wolkenspiel mag ich besonders gern, weil die Wolken, vor allem in Westchina, tatsächlich grandios aussehen. Wie Feder, Fischschuppe, Schiff und so weiter. Bei starkem Wind verwandeln sie sich so schnell, als ob sie Schauspieler auf der Bühne wären.

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  • 14. April 2021 um 5:25
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    Wunderbar!… endlich Phantasie und Demut. Merci

    Antworten
  • 14. April 2021 um 8:31
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    Wunderschöne Phantasiebilder… wohltuend und voller Poesie. Danke schön

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    • 24. April 2021 um 20:49
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      Lieber Christian , danke für die wunderbaren Wolkengedichte . Beim lesen haben sich sehr schöne Formationen in meiner Vorstellung gebildet.
      Ich freu mich auf eine nächste Veröffentlichung.

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  • 14. April 2021 um 15:24
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    lieber christian,
    vielleicht mach ich doch das wolkenbuch,
    deine txte animieren mich

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  • 14. April 2021 um 18:54
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    Bekomme Lust Fotos zu diesen Texten zu machen (für mein Fotoalbum

    Antworten
  • 14. April 2021 um 19:06
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    Regenbögen….Wolkenspiel…
    Wunderbar träumerisch – poetische Zeilen , man könnte in Betrachtung derselben versinken….
    Nimbostratus & Stratocomulus & Cumbulionibus…der prächtigste im alten Rom – sehr schön : Klangvoll personifiziert scheinen sie ein Eigenleben zu entwickeln…..

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  • 18. April 2021 um 12:27
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    Deine Texte haben mich sehr begeistert. Male gerade Wolkenbilder aber so viel Heiterkeit wie bei dir konnte ich nicht finden. Habe mehr die bedrohlichen schwarzen Augenblicke gemalt. Ich glaube ich muss noch einmal genau hinschauen. „ Melange“und „ Schau mal „ haben mich sehr inspiriert . Liebes Grüssle und bleib gesund Nele

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  • 20. April 2021 um 10:15
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    Tolle Bilder mit wunderschönen synästhetischen Eindrücken, lieber Christian ! Gerade jetzt tut es gut, sich auf die Wiese zu legen und zu träumen.

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  • 20. April 2021 um 13:29
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    Lieber Christian,
    deine „Melange“ zauberte mir sofort ein wolkenkaffeeleckeres Lächeln ins Gesicht. Danke für diese wirklich wunderbaren und wundersamen Wolkengedichte. „Wolken können alles“- das ist mit der gegenwärtigen Situation der „Corona-Dürre“ eine schöne Ermunterung, das innere Reisen zuzulassen und die Gedanken fliegen zu lassen.
    Mir haben die Wolkengedichte unzählige Erinnerungsbilder an meine Schwimmleidenschaft intensiviert, bei der ich rückenschwimmend so viel mit den Wolken korrespondierte, ein himmlisches und magisches Erleben. „Schau mal“ – ich habe die tollsten und unglaublichsten Wolkenbilder dabei erlebt.
    Herzliche Grüße, Karin

    Antworten
  • 23. April 2021 um 14:12
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    Lieber Christian,
    Du hast Dir die wunderbare kindliche Phantasie erhalten, die beim Betrachten von Wolken die unglaublichsten Bilder produziert.
    Frank

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