Grausam – Lyrik .2

Der Wörter leerer Sinn

Die große Verheißung,

Das große Versprechen

Umrunden den Erdenball.

Das Weltgericht am Boden

Ertrinkt im eigenen Sein.

 

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„Das Weltgericht“, Collage mit Tuschezeichnung, 2011

 

 

Ein Abend privat

Gleißende Blicke schweifen hin und her. Hektisches Stühle rücken. Sprödes Gerede. Köpfe drehen. Augen zucken. Ein Abend privat. Partner zu Partner. Verbunden, offen, versteckt. Interessiert, bemüht, beklommen, unsicher und ran. Das Leben verpackt. Vor Sorge um sich, vor Sorge um dich. Abenteuer und Angst jagen die Runde. Es wechseln die Farben. Die Karten werden neu gemischt: Herzbube, Pikdame, Pikdame, Karoass und alles ohne Ende. Durch Blicke verbunden. Fremder Wein. Beschwingt, betrübt. Gewaltiges Lachen. Gemeinsamkeiten fiebrig gesucht, gierig gelöffelt. Es bleibt kein Rest. Ein Abend für alle, ein Abend für nichts. Ein Blick übers Land. Der Wind in den Ästen. Das Pochen des andern, festgedrückt. Die Zeit läuft weiter, dem Ende entgegen.

 

Ich mag das Licht

ich mag das Licht, ich mag die blaue Luft, das Meer, den Strand, die Sterne, ich mag die Ruhe, ich mag die Nacht, die Sonne, den Tag, die Traurigkeit, ich mag dich, ich mag das süße Nichts, ich mag das Sehnen, ich mag das flache Land, den Schnee, den Regen und den Wind, ich mag den Mond, ich mag das Grün der Wiesen, das Gelb der Wüste, ich mag die Sehnsucht und das Hoffen, ich mag die ziehenden Wolken und das leichte Sein.

 

 

Herbstlied

Kämpfe nicht.

Soll oder soll ich nicht.

 

Höre das Röhren ferner Hirsche nah.

Fahles Licht fällt herab.

Beine fest gepresst.

 

Offenes Feld im Morgengrauen.

Nebel hebt sich langsam ab.

Der Bullenkampf beginnt.

 

Voller Kraft vibriert die kühle Luft.

Bald färbt der Boden rot sich ein

Und zitternd fällt die alte Macht.

 

Der gleiche Kampf, die gleiche Macht.

Sie spielt mit dir in Ewigkeit, als

Wäre nichts geschehen.

 

Gott, wann mag der Herbst zu Ende sein

Und es kommt des Winters sanfter Schlaf.

 

 

 

Traurigkeit

Siehst du der vielen Tränen nicht,

wie sie versickern am Meeresstrand.

 

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„Gefangen in dir“, Bleistiftzeichnung, 2009

 

 

Bomben knallen

Deine Augen werden wach, siehst wie alles fällt.

Bäume brennen lichterloh.

Flieger fliegen durch die Stadt, Bomben knallen und du schaust zu.

 

Lichtreklame ohne Licht.

Komm wach auf, wach auf.

 

Deine Augen werden wach, siehst wie alles fällt.

Regen kommt wie weißer Schnee.

Um die Erde kunterbunt, kreist es Tag und Nacht.

 

Lichtreklame an und aus.

Komm wach auf, wach auf.

 

Deine Augen werden wach, siehst wie alles fällt.

Tausend Meilen fern von hier.

Hoffnungsvoll der Ruf erschallt, fremdes Land vor der Tür.

 

Lichtreklame flackert hell.

Komm wach auf, wach auf.

 

Deine Augen werden wach, siehst wie alles fällt.

Äpfel, Birnen und der Mond.

Graue Wolken am Himmelszelt, schauen dich von oben an.

 

Lichtreklame bunt und grell.

Komm wach auf, wach auf.

 

Deine Augen werden wach, siehst wie alles ruht.

Was für eine tolle Zeit!

Alle stehen bei sich bei, in Hoffnung auf den goldenen Sonnenschein.

 

Licht erfüllt das ganze Land.

Komm wach auf und lach.

 

Name der Autorin/des Autors
Rolf Otto Siegel (neo, neo)
Grausam – Lyrik .2

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