Drei Gedichte: Atomare Versuchung – Der Stein des Anstoßes – Schlachtbetrieb

Atomare Versuchung

Man sollte alle Waffen dieser Erde kaufen
und sich aufführen wie ein Held im Wilden Westen,
bis keine Menschen mehr auf dieser Erde laufen,
denn wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Man sollte sich zuvor einen Atomschutzbunker bauen,
in ihn schleppe man Kisten, Eimer, Truhen, Fässer.
Dann hat man, wenn die Menschheit untergeht, etwas zu kauen
und lacht zuletzt und damit besser.

Man sollte niemandem davon erzählen
und sei vor Freunden, die schmarotzen wollen, auf der Hut.
So kann man sich bis an den letzten Tag nur mit sich selber quälen,
und lacht zum dritten Mal zuletzt und damit gut.

Man sollte alle Waffen dieser Erde kaufen
und ziehe sich dann selbst aus dem Verkehr.
Damit es leichter geht, kann man sich noch schnell besaufen,
denn wer zuletzt lacht, lacht ja eigentlich nicht mehr.

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Der Stein des Anstoßes (oder: Die Krim-Krise)

„Sobald ein Stein einen elliptischen Bogen über der Erde beschreibt“,
verfügte der Himmel ernst,
„gehört er während der Flugbahn mir.“

„Da er wieder zu mir zurückkommt“,
entgegnete die Erde wütend,
„befand er sich zu keiner Zeit außerhalb meiner territorialen Grenzen.“

Lediglich der Stein war der Ansicht,
dass er sich selbst gehöre.
Aber das tat nicht sonderlich viel zur Sache.


Schlachtbetrieb

Die tanzenden Schweine
auf den Plastiktüten
der Fleischerei meines Vertrauens
erinnern mich an die Lager
der Nationalsozialisten,
zu denen sogar die Presse geladen war,
um allen zu zweigen,
wie gut sie es haben,
die Schweine.

Name der Autorin/des Autors
Matthias Kröner
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Drei Gedichte: Atomare Versuchung – Der Stein des Anstoßes – Schlachtbetrieb

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